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[ BEITRÄGE ZUR ASSYRIOLOGIE UND SEMITISCHEN SPRACHWISSENSCHAFT VIII, 1

I llcrausgegeben *on Füiedrich Delitzsch und Paul Hauit

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DIE

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Tempora im ^emiiifcßen

IHRE ENTSTEHUNG UND IHRE AUSGESTALTUNG IN DEN EINZELSPRACHEN

VOX

(gauer

]■ C. HINRICHS’sche BUCHHANDLUNG

1910

THE JOHNS HOPKINS PRESS, BALTIMORE t ,

ZW« fthienden HefU des VII. Bandes erscheinen später 'IMI

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Mitteilungen für die Beiträge zur Assyriologie sind zu senden an Professor Friedrich Delitzsch, Halensee/Berlin, Kurfürstendamm 135, oder an Professor Paul Haupt, 2511 Madison Ave., Baltimore, Md.

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BEITRÄGE

ZUR

UND

SEMITISCHEN SPRACHWISSENSCHAFT

hkbausge<;ebkn von

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MI!' :'N ri::;si , r/i'M, hku ,'<>ii\s Hiii'K!Ns.'.'Mvi:usir.\r /; hai.iimokk ACHTER BAND

MIT I STERNKARTE UND 6 ABBILDUNGEN

1912

T. C. Hl.VKIi MS'-., iir H C( M II ,\ X D I.C N C,

Qßaftimer«

THE JOHNS HOPKINS PRFISS

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Alle Rechte, insbesondere das der Cbersclzung, werden für jeden Aufsatz Vorbehalten.

Druck von August Pries In Leipzig.

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INHALT DES ACHTEN BANDES.

Bail0r, Tlans: Die Tcm|x>ra im Semitischen. Ihre Hntstchuni; und ihre Aus* | i;cstaUuns in den Einzelsprachen. (II, 53 Seiten). 1910, )

Steinmetzor, Franz: Eine Schenkanuaurkundc des Königs Mclisichu. (S. i | bis 38). Ebeling, Erich: Da.s Verbum der El-Amanja-Bricfe. (S. 39 > bis 79j. 1910. J

Schultheß, Friedrich: Umajja ihn Abi s Salt. Die unter seinem Namen ^ überlieferten Gedichlfragmentc gesammelt u. übersetzt. (III, 136 S). 1911. / Weidfl6r, Emst: ikiträge zur babylonischen Astronomie, flll, 100 Seiten | mit I Sternkarte un<l 6 Abbildungen im Text). 19II. J

WitZBly Maurus: Untersuchungen über die V^crbal-Praformalive im Sume- rischen, nebst zahlreichen Ilinw’eisen auf die Verbalaffixc. Mit einem aasfubrlichen Verzeichnis der Vcrbalpräformative in Umschrift und Cl>er- setzun^. (V^III. 140 Seiten). 1912.

Heft I

Heft 2

Heft 3 Heft 4

Holt 5

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Für ilic in ilcn cin/clncti Arljcitcii vor^jctraj^cnen Ansichten siiul nur die Verfasser verantwortlich.

Mittcilunjicn für die Ikitrlige sind zu seinlcn an i*rofes-»ot FRtRORiCH Delitzsch, 1! alcnsec Herl in, Kurlürstendamm 133, oder an Professor Paul H AirpT, 213 Loni;wood Road, Uolnnd Park. Haltimorc, Md.

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IHRE ENTSTEHUNG UND IHRE AUSGESTALTUNG IN DEN EINZELSPRACHEN

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j. C. HINRICHS’sche BUCHHANDLUNG I9t0

tue JOHNS HOPKINS PRESS, BALTIMORE

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HERAUSGEUEHEN VON

Friedrich Deutesch vnd Paul Haupt

VNTCKSTUrZt'NO DKM JUHK^'HOfKINS* CMIVKRMTAT

HAND VIII, HKI-T i

ALLE KKCHTE VOKUKHALTFN

Druck von August Pries io Leipiig

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EINLEITUNG..

Die semitischen Sprachen bergen noch eine Menge ungelöster Ratsei. Das schwerste derselben ist freilich die Erscheinung des semitischen Sprachtypus selbst, dieser merkw'ürdige Dualismus einer 5 dreikonsonantigen Begriffswurzel als dem materiellen und einer in sich bedeutsamen Vokalisation als dem formellen Element, wofür in den sonst bekannten Sprachen ein volles Analogon sich nicht zu finden scheint. Dazu kommt eine, wie man gesvöhnlich annimmt, ganz andersartige Auffassung der Zeitmomente beim Verbum, so IO dass wir in vielen Fällen kaum oder gar nicht imstande seien, deren Unterschiede auch nur nachzuempfinden'. Diese beiden Eigentüm- lichkeiten schienen manchen Forschern so sehr zum innersten Wesen der semitischen Sprachen zu gehören, dass sie eine Verwandtschaft derselben mit den indogermanischen von vornherein für ausgeschlossen, 15 vielmehr beide Sprachtypen für „durchaus verschiedene Schöpfungen“ erklärten^. Hiebei wurde jedoch, wie es scheint, übersehen, dass die Sprache, wie jedes geschichtliche Gebilde, nicht nach einem vor- handenen Plane gestaltet, sondern durch das Zusammenwirken der mannigfachsten, teilweise recht zufälligen Faktoren zustande gekom- 20 men ist, und dass ferner eine vieltausendjährige Entwickelung die ursprünglichen Züge einer Sprache verwischen und ihr völlig neue aufprägen kann. Also wird auch der semitische Sprachtypus, so

1) „Wenn niao die Schwierigkeit syntaktischer F'robleme nach dem Grade der Schwierigkeit, die synlaktUchcn Formen nachzufilhlco, bcmes,<»eQ will, so ist die Tempus*

25 lehre das schwierigste Kapitel der semitischen Syntax“. So Reckendorf, syntakti- sehtn Verhälinisst des Arabischen (Leiden 1895) §

2) E. Renan, Histoire generale des tangues simitiques^ 3* cd. t Paris 1S63). S. 457. ('ber dessen eigenartige Ansicht sowie die g.anze Geschichte dieser Frage siche F'riedr. Delitzsch, Studien über indog.~sem, Wurxelverwandtscha/t (I^elprig 1873), 3. Kap.

30 V’on Späteren hat sich besonders Stade gegen die Möglichkeit einer Verwandtschaft ausgesprochen, Lehrbuch der hebr. Gramm. (Leipzig 1879p S. 17.

UeilriffC A»».: Bauer. I

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]^. Q^autr,

sehr er in seiner logisch-schematischen Gliederung und seiner „conslruction architecturale et gcometrique“ ' den Eindruck macht, als sei er fertig einem „baumeisterlichen“ Geiste entsprungen, nicht immer vorhanden gewesen, sondern in einem säkularen Entwickc- lungsprozesse geworden sein. Ist er aber geworden, so folgt not- 5 wendig, da.ss die semitischen Sprachen, wenn sie überhaupt noch zu begreifen sind, nur auf historischem Wege d. h. entwickelungs- geschichtlich begriffen werden können. Auf dem Hoden der semitischen Einzelsprachen oder, wie es bisher vonviegend geschehen ist, auf dem Boden der westsemitischen Sprachen allein ist eine 10 Einsicht in das Wesen derselben .schlechterdings nicht zu erwarten, auch -die so widerstreitenden Funktionen der beiden Tempora lassen sich von hier aus unmöglich vermitteln. Wir mü.ssen uns viel- mehr entweder damit bescheiden, die Bildungsweise und die Ge- brauch.sart der einzelnen Formen rein empirisch fe.stzustellen und 15 die Frage nach dem Warum ganz aus dem Spiele zu la.sscn oder wir mü.ssen versuchen, nicht nur zum Ursemitischen vorzudringen, in welchem die wesentlichen Züge des Verbalsystems schon voll ausgeprägt vorliegen, sondern noch darüber hinaus in jene graueste Vorzeit, wo wir nur die l-Clemente und Vorbedingungen, vielleicht 20 auch schon gewisse Ansätze des System.s, nicht aber die.ses selber voraussetzen dürfen; von dort aus wären sodann die Entwickelung.s- phasen zum Ursemitischen und zu den Einzel.sprachen zu rekon- struieren. Inwieweit die genannte Aufgabe lösbar ist, ob die ge- schichtlich gegebenen sprachlichen Erscheinungen sich wirklich so 25 glücklich kombinieren lassen, dass wir die Gestalt der Sprache in jener protosemitisch en Epoche, wie ich sie nennen möchte, wenig- stens in allgemeinen Umrissen noch zu erfassen vermögen, diese Frage ist a priori weder zu bejahen noch zu verneinen, liier kann nur ein Versuch, sein Gelingen oder Scheitern, die Antwort geben. 30 Angesichts des Standes der heutigen semitischen Wissenschaft frei- lich, wo noch so viele Probleme in den Einzel.sprachen ungeklärt sind und man nur mit einem gewissen Vorbehalt ursemiti.sche For- men zu rekonstruieren wagt, könnte es einem besonnenen Forscher leicht als dilettantische Waghalsigkeit erscheinen, einen solchen Ver- 35 such jetzt schon unternehmen zu wollen. Wenn ich trotzdem mit der vorliegenden Arbeit diesen V'orstoss in ein unbetretenes Gebiet wage, so bin ich mir der damit verbundenen Schwierigkeiten und Gefahren wohl bewusst. Leider ist ja der Palaeontologe der Sprache weit ungünstiger ge.stellt als sein älterer, mit des Spatens Hilfe forschender Kollege. 1 lat letzterer in der Lagerung der Erdschichten

i) Kenan, S. 455.

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einen fast untrüglichen Anhaltspunkt für die zeitliche Aufeinander- folge der eingebetteten Organismen, und helfen ihm diese wiederum als „Leitfossilien" für die Altersbestimmung der Schichten, so fehlt dem Linguisten ein so ideal einfaches und sicheres Erkenntnismittel.

5 Auf der ältesten geschichtlich überlieferten Sprachstufe liegen nur zu oft ganz gleichgeformte und gleich lebendige Gebilde neben- einander, die in Wirklichkeit ihrem Alter und ihrer Herkunft nach grundverschieden sind. Nur der Blick in eine noch frühere Sprach- periode könnte hier Aufklärung geben; aber eben dieser Blick ist lo versagt, wir stehen ja der Voraussetzung gemäss an der Schwelle der Geschichte. Die Entscheidung kann somit nur auf indirektem W'ege erfolgen, unter Zuhilfenahme jener Ergebnisse, welche die Sprachgeschichte und Sprachpsychologie aus der Betrachtung jüngerer und gut bekannter Sprachen gewonnen haben. Wie nämlich die 15 Geologie, um jenen früheren Vergleich weiter zu führen, immer mehr zur Einsicht gekommen ist, dass dieselben Kräfte, die heute unmerk- lich die Erdrinde umgestalten, einst auch die Gebirge aufgetürmt und abgetragen und die Erdteile aus den Fluten emporgehoben haben, so ist es auch eines der fruchtbarsten Prinzipien der Sprach- 20 Wissenschaft geworden, die gleichen Faktoren, die wir in der ge- schichtlichen Zeit und in der Gegenwart im Sprachleben wirksam sehen, auch für die Entstehung der Sprache, ihres Wortschatzes wie ihrer Grammatik vorauszusetzen. Mag auch im Einzelnen recht vieles noch problematisch, selbst manche Grundfrage noch 25 durchaus strittig sein, so ist doch dank der emsigen Arbeit eines Jahrhunderts vor allem auf indogermanischem Gebiete eine relative Sicherheit der Methode erzielt und eine Menge bedeut- .samer Resultate festgelegt worden, die wir, soweit sie allgemeiner Natur sind, unbedenklich auch auf die Behandlung unseres Sprach- 30 gebietes übertragen dürfen Dagegen müssen wir uns hüten, spezi- fisch indogermanistische Unterscheidungen, mögen sie die Formen- lehre oder die Syntax betreffen, an die semitischen Sprachen heranzubringen. Diese wollen zunächst einmal ganz aus sich selbst verstanden und nach ihrer Eigenart gewürdigt sein. Andererseits 35 können wir auch aus den mannigfachen P'ehlern, in welche die grossen Meister der indogermanistischen Wissenschaft verfallen sind, recht v'iel lernen, um nicht die Irrgänge, die sie auf ihrem Gebiete gegangen

1) Ich nenne oar die neueren zusammenfassenden Werke von Hermann Paul, Primtipim der Sprachgeschichte^ 4. Aufl. (München 1909); Wilhelm Wundt, Völker- j^o Psychologie^ I. Bll. Die Sprache. 2. Aufl. fLeipzig 1904); G. r. d. Gabelentz, Die SprackwisseetscAa/t, ihre Aufgahen^ Methoden und bisherigen Ergebnisse. 2. AuH. (Leipzig 1901); io der Anlage wie in der Durchführung sehr verschieden, ergSnzen dieselben einander aufs glücklichsle.

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lg. gßautr.

sind und ^ehen mussten, auf dem semitistischen zu wiederholen. Wir werden z. B. die sprechende Menschheit nicht mehr für so jung halten, dass wir erwarten dürften, durch die Rekonstruktion einer absoluten Ursprache den Anfängen der menschlichen Rede selbst erheblich näher zu kommen. Auch das Protosemitische hat gewiss 5 eine vieltausendjährige Entwickelung hinter sich. Wir werden daher in ihm nicht die „ursprünglichen Schöpfungen des Sprachgeistes“ suchen, etwa einfache Verbalwurzeln, aus denen sich der semitische Wortbestand ableiten Hesse, sondern wir setzen voraus, dass es Bezeichnungen für Dinge, Eigenschaften und Handlungen bezw. Vor- 10 gänge aufweist, d. h. Substantiva, Adjektiva und Verba, wie irgend eine geschichtlich gegebene Sprache; ob mit oder ohne Flexion, ob mit Anfängen oder Kudimenten einer solchen, lassen wir zunächst auf sich beruhen. Indem wir ferner zahlreichen anderen Fehler- quellen gegenüber bedächtiger geworden sind, werden wir auch den 15 Sicherheitsgrad unserer Ergebnisse richtiger abschätzen und nicht so leicht blo.sse Vermutungen mit Tatsachen verwechseln. Damit soll jedoch nicht der Wert der Hypothese herabgesetzt sein. Im Gegenteil, wie diese auf dem naturwissenschaftlichen Gebiete das fruchtbarste Erkenntnismittel geworden ist, so können wir auch in 20 der Sprachwissenschaft ohne sie nicht auskommen, wenn wir nicht blos totes Material aufliäufen, sondern Einsicht in den Zu.sammen- hang der sprachlichen Erscheinungen gewinnen wollen. Nur werden wir nicht voreilig eine Hypothese als Theorie oder gar als Tatsache ausgeben, wenn sie nicht nach allen Richtungen sich erprobt hat 25 und die .sämtlichen in Betracht kommenden FTscheinungen zu er- klären vermag.

Wir gehen zunächst daran, das m. E. zentralste Problem der semitischen Sprachen, die Entstehung und Entwickelung der Tempora, zu erörtern. Wir verfaliren dabei in der Wei.se, dass wir vorerst die älteste Gestalt des Verbums ermitteln (Kap. I), hierauf den durch das Auftreten einer jüngeren Form „qatala“ (Kap, II) eingeleiteten Entwickelungsprozess in seinen Hauptphasen zu rekonstruieren ver- suchen (Kap. III). Die hier gewonnenen FTgebnisse sollen sodann in ihrer Anwendung auf die semitischen Einzelsprachen die Probe 35 ihrer Richtigkeit bestehen (Kap. IV). Schliesslich wird kurz der Nachweis versucht werden, dass, entgegen der herrschenden Meinung, in der Auffassung der Zeitmomente ein wesentlicher Unterschied zwischen den semitischen und indogermanischen Sprachen nicht besteht (Kap. V). 40

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®i< Zmpota im Jltmitircjin.

I. Die Priorität des Imperfekts.

Die Frage, ob uns eine Einsicht in die Natur der semitischen Tempora und ihre Entwickelung möglich ist, hängt enge mit der anderen zusammen, ob die Priorität einer der beiden Tempusformen 5 sich unzweifelhaft feststellen lässt. Ist letzteres der Fall, dann ist uns eine bestimmte Richtung gewiesen, die wir einzuschlagen haben, und wir dürfen hoffen, dass wir Spuren genug finden, um den Weg, den die Entwickelung gegangen, annähernd verfolgen zu können. Im anderen Falle bleiben die vielen Anomalien der semitischen Tempus- lo lehre ein undurchsichtiges Nebeneinander, das wir als nicht weiter erklärbar hinnehmen müssen. Bis jetzt hat man diese Prioritätsfrage nicht für eine solche ersten oder zweiten Ranges gehalten; bei Brockelmann in seinem sonst so tretilich orientierenden „Grund- riss • der vergleichenden Grammatik der semitischen Sprachen" finde 15 ich dieselbe nicht einmal erivähnt. Daher glaubte ich auch, als sich mir zum ersten Male die Tatsache der Ursprünglichkeit des Imper- fekts gegenüber dem Perfekt aufdrängte, mit dieser Ansicht allein zu stehen. Mittlerweile fand ich jedoch zu meiner Genugtuung, dass schon andere, nicht unbekannte Semitisten den gleichen Gedanken 20 geäu-ssert hatten, wenn sie auch keine weiteren Konseejuenzen daraus gezogen. Bei der grundlegenden Bedeutung dieser P'rage halte ich es für angezeigt, jene zum Teil etwas entlegenen Stimmen der chrono- logischen Folge nach zu Worte kommen zu lassen.

Im Jahre 1878 veröffentlichte PAUL HAUPT im yournal of the 25 Royal Asiatic Society'^ einen Artikel: The oldest semitic verb-form. Diese älteste P'orm ist seiner Ansicht nach das Imperfekt: „The identity of the vowels in the fortns of the Arabic Perfect, when con- trasied suith their variety in the forms of the Imperfect, indicate clearly the greater antiquity of the latter". Leider findet er die 30 älteste Gestalt des Imperfekts im assyrischen ikalad, das er mit dem äthiopischen yfnäger zusammenstellt. Diese Ansicht ist, wie wir sehen werden, durchaus unhaltbar. Deshalb hat auch sein Artikel nicht die von ihm erhoffte Umwälzung in den Grundanschauungen der semitischen Grammatik herbeiführen können.

35 Im Jahre 1887 bespricht G. IIOITMA.XN^ die erste Auflage von NöI-DEKEs bekannter Skizze „Die semitischen Sprachen". Zu einer Äusserung des V'erfassers in Bezug auf das Assyrische, dass dieses nämlich das alte Perfekt (gänzlich oder bis auf wenige Spuren) ver- loren habe, bemerkt er: „Bedeutet es Verlust, wenn das Babylonische

1) I. Band: Laut- und Formenlehrt. (Berlin I907)

2) Ne-w Seriei X, 244 ff.

3) Lit. Centralhlatt 1887, Sp. 605 fr.

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1^. QS^I1U<T,

(fast?) kein postfigiertes Perfekt kennt, oder ist dieses Perfekt schon in Kanaan eine Neubildung vom Participial-Adjektiv aus?"

Ausführlicher und sehr beachtenswert ist eine Glosse Well- HAL'SEN's* zu derselben Stelle: „Es ist nicht notwendig, dass das Assyrische das Perfektum verloren hat, vielleicht hat es dasselbe nie 5 gehabt, trotzdem alle Schwestersprachen es besitzen. Das Imperfekt macht überall den Eindruck grösserer Ursprünglichkeit; es ist un- durchsichtiger, unregelmässiger und auch sozusagen verbaler. Alle Modi gehen von ihm au.s. Seine Form ist in den Dialekten viel fester und variiert viel weniger als die des Perfekts. Im Hebräi- 10 sehen greift es noch sehr .stark in das Gebiet des Perfekts über; weniger im Arabischen (in der Poesie)".

Etwas später spricht sich J. A. Knl'DTZO.N’ in einem Artikel^ „Zur assyrischen und allgemein semitischen Grammatik" für das höhere Alter des Imperfekts aus. Seiner Begründung, dass etwas 15 „sich Darstellendes“ (das Imperfekt) natürlicher Weise eher ausgedrückt werde als das „Vorliegende" (das Perfekt), kann ich aber ebenso wenig zustimmen wie seiner Identifizierung von assyr. ikalad und äth. jeqatel.

Auf einem anderen Wege, nämlich von der Betrachtung der 20 hamitischen Sprachen aus, gelangt 1892 PK.ATnKiu.s’ zu denselben Anschauungen: „Das Kuschitische .spricht durchaus für die Priorität, für den vor.semitischen Ursprung der Präformativkonjugation d. h. des semitischen Imperfektum; das Kuschitische spricht dafür, dass das Perfekt eine interne semitische Bildung ist, wie d.is anscheinende 25 Perfekt des Kuschitischen eine interne kuschitische Bildung ist. Diese Annahme erhebt umsomehr Anspruch auf Wahrscheinlichkeit, als aus dem Berberischen das gleiche Ergebnis zu fliessen scheint“.

R. E. BkCnnow stimmt in einer Besprechung* des genannten Artikels der Ansicht des Verfassers bei und fügt hinzu: „Man könnte 30 noch dafür (die Priorität des Imperfekt.s) geltend machen, dass auf semitischem Gebiet die Suffi.xbildung noch bis in die neuere Zeit hinein fortwuchert, schon im Altsyrischen {amarna z. B. ist ganz zur Verbalform geworden) und ganz besonders in den neusyrischen Dia- lekten, während Neubildungen durch Präfixa nirgends auftreten. Eine 35 noch lebendige Bildung.sweise ist aber jedenfalls jünger als eine solche,

' die ganz erstarrt ist".

In der 1898 erschienenen „vergleichenden Grammatik der semiti- schen Sprachen“ von II. Zimmern wird auch unsere Frage wenigstens

1) DeuUeki Lit. Ztitun^ *887, Sp. 968. 40

2) ZA VI, 409 fr. VII, 33 fr. Speziell VI, 423 u, VII, 48, 58.

3) BA II, 332.

4) ZA vni, 132.

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9tc CtmpoTa im j

gestreift: „Ob aus der ursprünglichen Gleichwertigkeit von Perfekt und Imperfekt der weitere Schluss gezogen werden darf, dass ur- sprünglich überhaupt nur die eine Flexionsart im Semitischen vor- handen war, sei es die präformative oder afformative Flexion, ist 5 schwer zu sagen. Verschiedene Anzeichen scheinen allerdings dafür zu sprechen, dass der praformativen Flexion (Imperfekt) grössere Ursprünglichkeit zukommt“ (S. 93}. Entschiedener noch S. 99: . . . Dieses alles spricht für einen relativ sekundären Charakter des semitischen Perfekt".

IO Aus dem letzten Jahrzehnt ist mir eine schriftliche Äusserung, die sich mit unserer Frage beschäftigt, nicht bekannt geworden.

Die Gründe, die uns zur Annahme der Priorität des Imperfekts bestimmen müssen, sind zum Teil in den zitierten Stimmen enthalten. Für mich sind hauptsächlich die beiden folgenden entscheidend:

15 1. Da der Imperativ zu dem ursprünglichsten Bestand der Sprache

gehört und sich in seiner Form am zähesten zu behaupten pflegt (man denke nur an das Neusyrische, welches die beiden altsemitischen Tempora gänzlich eingebü.sst, aber den Imperativ in seiner ursprüng- lichen Gest.alt treu bewahrt hat)', so wird jene Tempusform die 20 ältere sein, die dem Imperativ am nächsten steht. Dies ist aber anerkannter Massen das Imperfekt. Dazu stimmt, dass auch der Imperativ des Ägyptischen, das wir ja als urverwandt mit dem Se- mitischen betrachten müssen, in seiner Vokalisation noch an den semitischen Imperativ erinnert^.

25 2. Das semitische Imperfekt zeigt gerade auf den ältesten Sprach-

stufen eine ähnliche Mannigfaltigkeit der V'okalisation, wie wir sie nach Analogie anderer Sprachen von vornherein erwarten. Da- gegen weist die schematische Einförmigkeit des Perfekt.s, wo z. B. fast alle aktiven Verba in der Form qata/a, die Bezeichnungen eines 30 bleibenden Zustandes als qatula erscheinen, unverkennbar darauf hin, dass diese I'ormen nach einem vorliegenden Muster gemodelt, also sekundäre Bildungen sind.

Eine ernste Schwierigkeit scheint allerdings das Ägyptische zu bieten. Da diese Sprache wohl Reste eines Perfekts, aber auch 35 nicht die Spur eines Imperfekts aufweist, so liegt die Vermutung nahe, letzteres sei erst eine spätere, innersemitische Bildung. Diese Schwierigkeit wird uns jedoch von massgebendster Seite, von Er.ma.n" selbst, aus dem Wege geräumt, wenn er sagt^; „Ich sehe nichts,

1) So wenigstens im Fellichi-Dialekt Siebe darüber K. SaCHAU in den AH. dtr 40 iünigi. Akiid, der W, tu Berlin. 1895. S. 53.

2) Ad. Erman, />ie Flexion des ägypt. Verbums, {Sitt, B. der Akad. d. fViss. SU Berlin, 1900. S. 345;.

3) Ebenda,

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1^. I^outr,

was uns hindert, mit Setiie anzunehmen, dass das Ägyptische das Imperfekt einfach verloren hat. Hat es ja doch auch sein Perfekt selbst in der ältesten Sprache nur noch in starker Beschränkung be- wahrt, um es dann vor unseren Augen in P'orm und Gebrauch immer weiter und weiter zu reduzieren“. Man kann auch auf das Neu- 5 Aramäische hinweisen, wo das Imperfekt gleichfalls spurlos ver- schwunden ist.

Es spricht also alles für, nichts gegen die Annahme einer Ur- sprünglichkeit des Imperfekts, so dass wir mit ihr als einer fe.st- stehenden Tatsache rechnen dürfen *. Dieselbe wird übrigens auch *o noch indirekt durch ihre wi.s.senschaftliche Brauchbarkeit bestätigt. Eine Reihe von „eschatologischen" ^ Fragen nämlich, an die schon viel Scharfsinn vergeblich verschwendet worden ist, erweisen .sich von hier aus als falsch gestellt und sind, sobald sie im Lichte jener Annahme betrachtet werden, von selbst erledigt. So erscheint z. B. >5 die Frage, ob in jaqtul eine Zusammensetzung mit dem Infinitiv vorliege oder ob dieser aus jaqtul gebildet sei, und wie beide zum Imperativ sich verhalten, genau so unangebracht, als wollte man fragen, ob das chinesische Verbum oder, was auf das gleiche hinaus- kommt, etwa das neuenglische „s/>cak“ in erster Linie Imperativ, 20 Infinitiv oder Verbum finitum sei. Je nachdem ich sage „/ sjeatt“ oder „Do you speakr“ oder ,^peak!“ ist es eben jedes von den dreien. Ähnlich müssen wir uns vorstellen, dass ein protosemitisches *qulul zugleich .als Imperativ und Infinitiv gebraucht und durch einfache Vorsetzung des Person.alpronomens konjugiert wurde: *a-qutul, *ta- 25 qutul, *ja-qutul.

Statt uns also die Infinitivbildung in der Weise zu denken, „dass beim Wegfall des Imperfektpräfixes zunächst eine Doppelkonsonanz im Wortbeginn entstanden sei, z. B. aus jahlifn der Inf. hUf. und sodann eine Verschiebung des einzigen Vokals hinter den ersten 30 Radikal eintreten musste" werden wir vielmehr ein Verbum *hilif

1) Das semitische Sprachgefühl, das in geschichtlichen Fragen natürlich inkom-

petent ist, musste allerdings qatala als die Grundform empfinden. Von ihr hat ja wie von einer L'rrelle das ganre Verbalsystem und indirekt auch die jüngere Schicht der Nominalbildungen ihren Ausgang genommen. Alles, was wir als spezifisch semitisch 3$ zu betrachten gewohnt sind, stammt aus jener von qatala und seinem Gefolge aus. gehenden uniformierenden Gewalt. Demgegenüber musste der Impcrativ-Imperfcktstamm des Qal fast wie ein Fremdkörper erscheinen ebenso wie die alten (protosemitischen) Suhstantiva und .^djektiva, soweit nicht auch sie ihre , .Unregelmässigkeiten“ aufgegeben und sich dem System eingegliedert haben. 40

2) J. Barth, Du Nominalttitfiun^ in dtn semititchen Sf rachen. (Leipzig 1889'.

S, 484.

3) Barth, § 77.

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t)it Ctmpora im jltmiiir^tn.

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voraussetzen, in welchem, je nach den Druckverhältnissen der erste .Imperativ) oder zweite (Inf.) Vokal ausgestossen wird.

So kann auch recht wohl die V'okalisation des ersten Radikals in hebräischen Imperativen wie ■’2bT2, '13?, 'BOn als organisch be- 5 trachtet werden. Überhaupt scheinen Imperativ und Infinitiv die ursprüngliche Form des protosemitischen Verbums vielfach reiner bewahrt zu haben als das durch Analogiewirkung besonders stark uniformierte Imperfekt. Ihre Vokalisation ist also bei der Wieder- herstellung der Urformen in erster Linie zu berücksichtigen. Je IO bunter hierin die Mannigfaltigkeit, desto willkommener werden sie uns sein. Wie z. B, im Magyarischen Verba vorliegen wie miitat = zeigt, fogad = empfängt, orül = freut sich, hibdz = fehlt, tanit == lehrt, lernt, oder im Mnlayischen: = es.sen, pul'ul =

schlagen, kinm = senden, balik ^ umwenden, tidor schlafen, 15 letzteres Formen, die alle zugleich als Imperativ dienen, so dürfen wir auch im Protosemitischen \'erba ansetzen wie etwa *qutul töten, hören. *//>■/>/ = stehlen, *akul=^&9.tn usw.

Ja es wäre zu erwägen, ob nicht auch in den assyrischen Im- perativen; limad, pilah, rikab, wo man gewöhnlich einen Übergang 20 des a in i annimmt, die ursprüngliche V'erbalform sich erhalten hat ■. Dasselbe gilt für v'erschiedene, besonders arabische Infinitivbildungen, deren erster Vokal von Barth^ und DE LagarüE nicht erklärt werden kann und als „unwesentlich“ charakterisiert wird.

Es braucht kaum gesagt zu werden, dass wir in allen diesen 25 Fragen nur tastend vorwärtsgehen dürfen. Besonders im Arabischen, wo gewöhnlich neben einem Verbum eine ganze Reihe von Infinitiven steht, ist es ungemein schwierig, oft auch, trotz der Berücksichtigung sämtlicher Dialekte, geradezu unmöglich, die ursprüngliche organische Form von der nach Analogie gebildeten zu unterscheiden. So 30 wichtig indes solche Untersuchungen für die Nominalbildungslehre und vor allem für eine Vergleichung mit anderen Sprachen sind, bei der Lösung unserer Aufgabe spielen sie nur eine untergeordnete Rolle. Ich lasse daher eine ähnliche höchst bedeutsame Frage, ob nämlich das Protosemitische auch Doppelkonsonanz am Wortanfang

1) Die Einförmigkeit der ImpcTativfonncn kaiaJ^ kHU^ kuiud muss von vom- bercio den Verdacht erwecken, dass deren ursprüngliche Vokalisation hier ausgeglichen ist, ähnlich wie im Ag>'|)tisch-Arabischcn qatul eu qutul und qatil zu qitil geworden ist. Siche Spitta*Bev, Grammatik des arabischen Vuigärdialektes von Ägypten (Leipzig 1880), S. 207.

2) „Ausnahmslos in allen Fällen ergibt sich aus der Bedeutung und Funktion der Formen das Gesetz: Bei zweisilbigen Nominalforrocn ist der zweite Vokal stets der allein charakteristische und wesentliche, der erste der unwesentliche und daher wan* dclbare,** {P/omina/6i/dung S. X.)

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1^. QßaHcr,

duldete, hier ganz bei Seite; das Problem der zweikonsonantigen „Wurzeln“ muss ohnedies einer besonderen Abhandlung Vorbe- halten bleiben.

Haben wir bis jetzt nur die vermutliche äussere Gestalt der ältesten Verbalform betrachtet, so müssen wir nunmehr daran gehen, 5 deren Bedeutung festzustellen d. h. die Kardinalfrage der semiti- schen Tempuslehre anzuschneiden, die da lautet: Welches Moment der Zeit oder Handlung soll im Imperfekt zum Ausdruck kommen.^ Die Antwort auf diese Frage ist ebenso einfach wie für die Auf- fassung der semitischen Tempora grundlegend. War nämlich das 10 Imperfekt wirklich die ursprüngliche und somit anfangs einzige Ver- balform, so ist die Frage nach seiner Grundbedeutung überhaupt eine müssige. Es konnte natürlich keine „subjektive“ Zeit.stufe (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) ausdrücken, was allgemein an- erkannt ist, aber ebensowenig ein „objektives" Zeitmoment, wie >5 Pmi.IPPI * meint, somit auch nicht, was besonders zu betonen ist, das Unvollendete, das Eintretende, W'erdende, in Entwickelung Be- griffene, oder vielmehr alles dieses zusammen, aber nicht minder sein Gegenteil, kurz gesagt, jedes mögliche Moment, wie es eben in der konkreten Bedeutung des jeweiligen Verbums im Satze mit- so gegeben war.

Wer einmal die psychologischen Grundlagen des Sprechens sich klar gemacht oder über die Grenzpfähle des Indogermanischen hinaus- geblickt hat, der wird eine solche Tatsache nicht befremdlich, son- dern selbstverständlich finden. Die temporalen Beziehungen des z5 Verbums ergeben sich ja fast immer aus der Situation des Sprechen- den bezw. des Angeredeten, und im Notfälle liefert ein Hilfswort die nähere Bestimmung. So sehen wir denn auch eine so hoch ent- wickelte Sprache mit so fein ausgebildeter Syntax wie das klassische Chinesisch auf jeden Zeitausdruck verzichten. Ja es kann sogar der Fall eintreten, dass wir das Gebundensein unseres Verbums an eine Zeitstufe als eine Schranke für den Gedankenausdruck empfinden müssen. So entsteht z. B. jedesmal eine Inkongruenz zwischen Sprechen und Denken, wenn wir allgemein gültige zeitlose Wahr- heiten durch unser Präsens ausdrücken. Denn Sätze wie „eine Hand 35 wäscht die andere“ oder „die Katze fängt Mäuse" können eigentlich nur durch ein zeitloses Verbum sinnentsprechend wiedergegeben werden.

Als eine solche Sprache mit zeitlosem d. h. allzeitigem Verbum

X) BA II, 359. „Die objektive Zeit ist die Zeit, die sich auf die Bcschaifcnheit 40 der Handlung an sich oder im Verhältnis ru einer anderen bericht, die Handlung als da seiend, abgeschlossen, vollendet oder als noch nicht da seiend, noch in der Ent- wickelung begriffen, unvollendet hinstellt usw.*‘

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Stmfora im ^tmilircSoi. 1 1

haben wir mithin auch das Protosemitische aufzufassen. Jaqtul war die einzige Form, in der jene Menschen, eUva vor dem sechsten Jahrtausend, mögen sie in Afrika, in Arabien oder am persischen Meere gesessen haben, verbale Beziehungen auszudrücken vermochten; S jaqtul war also auch, was besonders zu beachten ist, die Form, in welcher sie ihre Geschichten erzählten.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der „Apocopatus" jaqtul als die ursprüngliche Form zu betrachten ist, dass wir also nicht zu fragen haben, wie die Verkürzung aus dem Indikativ zu- lo Stande gekommen ist, sondern umgekehrt, woher die Verlängerung bei Jaqtulu stammt. Für die Lösung dieser Frage gibt uns vielleicht das Assyrische einen Fingerzeig. Da hier eine solche V erlängerung notwendig nur im Relativsatz eintreten muss, im Hauptsatze aber fehlen kann, so liegt die Vermutung nahe, dass sie auch zuerst im IS Relativsatz entstanden ist, vielleicht durch ein vorgeschichtliches Zu- sammenwachsen mit dem als fungierenden Pronomen

hu „ihn, es" ’■*. Von da aus mag die verlängerte Form auch in andere Nebensätze und schliesslich in den Hauptsatz gedrungen sein*. Im Arabischen hat sich bekanntlich der „Apocopatus“ nur als Jussiv

20 und bei engem Anschluss an gewisse Partikeln (bes. ^jl, |JJ), wo eben ein durchaus undenkbar ist, erhalten.

Es ist somit verkehrt, in jedem Apocopatus einen Jussiv sehen zu wollen. Die Jussivbedeutung der Form jaqtul ist ja nur ein Aus- läufer ihrer früheren universalen Funktion. Noch weniger aber darf 25 man den Jussiv vom Imperfekt trennen wollen, wie Ungnad-* es versucht, der den ersteren zum Imperativ, das letztere aber zum Perfekt stellt.

l) Hier nnd im Folgenden gebrauche ich diese Bezeichnung als terminus für die Urform des semitischen Verbums, so dass auch jaqtil nnd jaqtal darin enthalten ist 30 3) z. B. OUu ipuiu „das Haus, das ich gebaut“ aus bitu *<pus’ku\ abtd „die

Sünde, die ich getan“ aus hif *üb/a-Au.

3) Auf den ältesten semitischen Sprachdenkmälern, den Inschriften von §arg;\ni* si^ri, Nardm-Sin und der Herrscher von Su.sa, kommt, soweit ich sehe, die Endung « niemals im Hauptsatz vor, sic fehlt aber auch nie im Nebensatz. Siehe F. Thureau- 35 DaNCIN, sumerischen und ahkadiseken Konigsinsehriften^ (Leipzig 1907), S. 162 ff. 176 fr.

4) BA VI 3. 58-

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2

1^. gßoutr,

II. Die Formen qaicJa, qaiHa, qaiu/a.

Dass das semitische Perfekt seiner Form nach aus der Ver- schmelzung eines Nomen agentis mit dem Personalpronomen er- wachsen ist, wird allgemein anerkannt'. Die Verwandtschaft der Verbalform qatai(a) mit dem V'erbalnomen qatal bezw. qaUal ist auch 5 gar zu offenkundig. Da die letztere Form, die vorwiegend den hand- werksmässigen Täter bezeichnet, wahrscheinlich mit dem Intensiv- stamm nichts zu schaffen hat, sondern zum Grundstamm gehört ^ so dürfen wir vermuten, dass die Schärfung des zweiten Radikals über- haupt nicht überall ursprünglich ist, dass es also einmal Handwerks- 10 bezeichnungen der Form qatill gegeben habe.

Wie nun im Deutschen neben den Berufsnamen „Schlosser, Schuster, Gärtner“ auch Verbalnomina wie „Streber, Täter, Lügner“ stehen, so bildete wohl auch die semitische Ursprache nach dem Vor- bilde von Berufsnamen für jeden, der eine Tätigkeit andauernd oder 15 wiederholt betreibt, ein Verbalnomen qatal. Die enge Verbindung desselben mit dem Personalpronomen {qatal-ta „du ein Töter“) musste allmählich, wie später das syrische qätelna, als N’erbum finitum empfunden werden. War aber einmal dieser Zustand eingetreten und stand neben taqtul die Verbalform qatalta, so hat man gewiss 20 auch ohne das Mittelglied eines Nomen agentis die Form qatal direkt aus dem Imperfektstamm gebildet, gleichviel welches die \’'okalisation des letzteren sein mochte. Eine Ausnahme.stellung könnten hierbei allerdings jene Verba eingenommen haben, die bereits von Haus aus die Form qatal aufwiesen (z. B. = verschlingen, *td am =

schmecken, hören) und deshalb zur Bildung des Nonien

agentis vielleicht einen anderen Weg suchten. Wenn wir annehmen dürften, dass dieselben, ähnlich wie auf späterer Sprach.stufe das Particip qatil, sich an die Adjektivform qatil angelehnt, also *hali, *tdim, *iamt gebildet hätten, so wären damit zwei Schwierigkeiten 30 beseitigt, für die man bis jetzt keine befriedigende Lösung gefunden hat. Einmal könnten wir uns die Mühe sparen, in die genannten Verba die unwahrscheinlichsten ursprünglich neutrischen Bedeutungen hineinzuspekulieren ^ .sodann wäre auf einmal verständlich, wie gerade dem Perfekt qatila ein Imperfekt jaqtal {jiqtal) entsprechen muss. 35

Auch als Denominativ wird qatal sehr frühzeitig aufgetreten sein,

1) Damit ist m. E. auch der sekundäre Charakter dic.scr Form implicite zuge« geben. Denn ein Verbalnomen setzt notwendig ein Verbum voraus, aus welchem cs gebildet ist.

2) Barth, Nominatbildung S. XI. 40

3) So soll *Jamta ursprünglich heisse« „Gehörseindrücken ausgesetzt sein“. Für die anderen habe ich eine neutrische Erklärung noch nicht gefunden.

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t)ii 3^<m|)ora tm 9«*>(>r4«<-

3

wenn wir auch begreiflicher Weise nur selten in der I.age sind, dies mit so apodiktischer Sicherheit festzustellen, wie z. 13. beim arabischen

„unterhalten, versorgen". Hier ist natürlich das Imperfekt nicht das Primäre, sondern die Reihenfolge der Bildungen ist;

5 '■ O); (persisch) 2. 3.

Ähnlich wie qatala müssen wir uns auch die Formen qatila und qatula entstanden denken. Protosemitische Adjektiva wie *' amitq = tief, *lalim wohlbehalten, *jabii trocken, bildeten durch Verbindung mit dem Personalpronomen zunächst Formen IO wie *' amiiqta, *latimta, *jabiita. Lagen einmal feste Muster dieser Art vor, so mögen auch Adjektiva anderer Gestalt sich in ihren V'erbindungsformen den ersteren angeschlossen haben. So

stehen z. B. im Arabischen neben

„schön" die Verbalform

„schön sein", neben „hart" die Formen und

15 „hart sein". Die bunte Mannigfaltigkeit der Adjektiv formen weist jedenfalls unverkennbar darauf hin, dass sie das Ursprüngliche sind und dass in den Konjugationsformen qalula und qatila ein Schema vorliegt, dem sie sich eingegliedert haben. Von den bei VVrioht ' namhaft gemachten 16 arabischen Adjektivformen können 20 wohl die ersten 8, möglicher Weise auch 8 12 in ihrem Grund- bestand als ursprünglich angesehen werden, d. h. sie .sind die direkten Abkömmlinge der protosemitischen Adjektiva. Wir können also wohl ihre Urform herzustellen suchen, dürfen sie aber ebensowenig erklären wollen wie die „Verbalwurzeln" oder die primitiven Sub- 25 stantiva^. Wie die Herleitung von „grün" aus „grünen" oder von „aeger“ aus „aegroto" nicht eben sehr glücklich wäre, so ist auch in den betreffenden Abschnitten der Nominalbildungslehren von Barth und DE LaG.\RDE die Betrachtung gerade umzukehren.

Dass daneben auch zahlreiche sekundäre, aus dem V'erbum ab- 30 geleitete Adjektiva existieren, ist natürlich ebenso gewiss wie dass nicht alle Verba ursprünglich, sondern zum Teil Denominativa sind. Aus einem sekundären Adjektiv oder Verbum sind sogar nicht selten neue (tertiäre) Bildungen hervorgegangen. Es wäre aber gleich ver-

ij A Grammar of tbe Arabic Language^ 3. cd. (Cambridge 1S96). Vol. I, § 231. 33 2) Nach Böttcher, Ausfukrl. Ltkrbuch der kebr. Sprache (I..ci|uig 1866) sind

auch diese „sämtlich verbal erklärbar". „Man erkennt etwa leicht neben als

„Hervorbringer", nx neben arab. ya^\ als „Anhängenden", CX neben als „Vor-

hergehende"." Daselbst (B. I, § 522 .^nm.) noch weitere „Erklärungen".

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14 %•

fehlt, alle V'erba aus dem Nomen oder alle Adjektiva aus dem Verbum ableiten zu wollen.

Die Differenzierung im Gebrauche der Formen qatila und qatula hat sich wohl auf ähnliche Weise vollzogen wie im Deutschen die Unterscheidung zwischen den Endungen = ig und = lieh einer- 5 -seits und isch andererseits. Wie die üble Nebenbedeutung, welche dem letzteren anhaftet (vergl. „kindisch" gegen „kindlich"), nicht ur- sprünglich in der Endung selbst liegt, sondern unter dem Einfluss von Wörtern wie „diebisch, zänkisch" as.soziiert ist, so mag auch die Bedeutung eines bleibenden Zustandes anfangs nur mit einigen 10 wenigen ^«/«/-Adjektiven verknüpft gewesen sein, während die weitere Au.sgestaltung dieser Klasse ein VV'erk der Analogie ist. Dass übrigens der Unterschied zwischen den beiden Formen ein fliessender war, geht daraus herv'or, dass im Arabi.schen häufig in einer Wurzel qatila und qatula neben einander stehen. 15

Auf Grund der vorausgehenden Ausführungen erledigt sich wohl auch die viel erörterte Frage nach dem ursprünglichen Sinn der Unterscheidung zwischen qatila (Impf jaqtaf) und qatala (Impf, jaqtul httz'w. j'aqtif). Die gewöhnliche Behauptung, dass (/«/«/« Handlungen. qatila vorübergehende Zustände bezeichne, ist jedenfalls weit »o davon entfernt, exakt zu sein. Denn einerseits existieren in jeder Sprache zahlreiche Zustandsausdrücke der Form qatala, andererseits

sind (yT2B) „hören", „verschlingen", ^is „schmecken",

„trinken" u. a. nicht nur aktive, sondern sogar transitive Verba

Auch die von P. HAUPT vorgeschlagene Zweiteilung von „freiwillig“ 25 {qatala) und „unfreiwillig“ {qatila)“^ ist, wie die angeführten Beispiele zeigen, nicht restlos durchführbar. Vielmehr deuten all diese ver- geblichen Versuche, für jede der beiden Klassen einen begriff- lichen Generalnenner zu finden, darauf hin, dass es einen solchen Generalnenner gar nicht gibt, weil überhaupt nicht logi.sche, sondern 30 geschichtliche Gründe für jene Unterscheidung bestimmend gewesen sind. Diese ist daher auch nicht logisch, sondern nur geschichtlich zu begreifen, mit anderen Worten wir müssen uns über die Her- kunft der beiden Klassen klar zu werden suchen. Die .so gestellte Frage ist aber bereits auf den vorausgehenden Seiten beanhvortet. 35 Darnach liegen der Form qatila zu Grunde:

1) Auch die luaTrischcn PrätcTitalformcn; imhaf „er schlug“, ifbai „er fasste an“,

itbai „er nahm weg“ müssten nach den herrschenden Grundsätzen unserer Grammatiken entweder als Intransitiva (bezw. Neutra) betrachtet werden oder der tf-V’okal als sekuo* där. beides erscheint gleich unannehnfbar. 40

2) AmerUan Oriental Seciety Proceedinzs% March 1S94, CI.

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1Z^tin|) »ra im jltmififc^«*- 1 5

1) ^«///-Adjektiva, ursprüngliche oder nach deren Analogie ge- bildete,

2) der oben (S. 12) ausgesprochenen Vermutung zufolge Nomina agentis von Verben wie *bala , *iama usw. Alle übrigen primären

5 Verba, ob transitiv oder intransitiv, aktiv oder neutrisch, haben das Verbalnomen qatal.

Man begreift leicht, dass nach der Proportion *iatnt iv. *jahna auch die aus dem Adjektiv stammenden Formen wie *ialima ein Imperfekt *jailain bilden konnten. Doch dürfen wir nicht vergessen, IO dass dort das Imperfekt ursprünglich, hier aber sekundär bezw. tertiär ist.

III. Gegenseitige Beziehungen der beiden Verbaiformen.

Entstehung und allgemeine Entwickelung der Tempora.

Haben wir in den vorausgehenden Kapiteln die beiden Verbal- 15 formen einzeln für sich betrachtet, so handelt es sich nunmehr darum, den gegenseitigen Beziehungen der beiden Formen und der durch die.selben bedingten Entstehung und Entwickelung der Tempora nachzugehen, eine ebenso reizvolle wie schwierige .Aufgabe, da es sich durchweg um vorgeschichtliche V’orgänge handelt 1 denn die ältesten 20 Dokumente der Einzelsprachen weisen bereits fe.ste Verhältnisse auf) und der Weg, den die Entwickelung gegangen, nirgends in seinem Zusammenhänge klar zu Tage tritt, sondern aus vereinzelten Spuren, die erst richtig gedeutet sein wollen, erschlossen werden muss. Wie die Geologie die Verteilung von Land und Meer etwa in der Tertiär- 25 zeit und den Verlauf ihrer nachherigen V^erschiebung nur in allge- meinen Umrissen und mit manchem V^orbehalt zu rekonstruieren wagt, so mü.ssen auch wir vor allzu scharfen Bestimmungen uns hüten; nur mit groben Strichen dürfen wir den Gang der Entwickelung zu zeichnen versuchen. Daher wollen auch die Worte, in denen wir 30 über diese zum Teil verschleierten Verhältni.sse reden, nicht als starre, fest abgegrenzte Begriffe, .sondern mit einer gewissen Dehn- barkeit aufgefasst werden.

Der Eintritt der Verbalforni qatala ' in den Sprachorganismus bedeutet zugleich das Ende der Zeitlosigkeit d. h. Allzeitigkeit des 35 Imperfekts. Indem der junge Emporkömmling in einem Teil des Gebiete.s, in welchem jaqtul bis dahin angestammter Alleinherrscher war, sich niederlässt und breit macht, zieht dieser sich zurück in das noch unbesetzte Bereich. Nun erst, unter Voraussetzung dieser

1) bezw. ,, qatala“ bezeichnen im Folgenden überall im Gegensatz zu

40 jaqtul (S. o. S. li) die jüngere, aus dem Nomen stammende Verbalfurro, also ein- schliesslich qatila und qatula.

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l6 %. Qßnutr,

Gebietsteilung, hat es einen Sinn, von einem Tempus oder wenigstens Quasitempus in den semitischen Sprachen zu reden. So reduziert sich denn das Problem der semitischen Tempuslehre, roh gesehen, auf ein einfaches Subtraktionse-xempel. Wahrend wir das An- wendungsgebiet von qatala mit relativer Genauigkeit positiv anzu- 5 geben haben, lässt .sich das v^on jaqtul eigentlich nur negativ be- -stimmen, nämlich als Rest jener ursprünglichen, zeitlosen und daher universalen Funktion, soweit diese nicht von qatala übernommen worden ist.

Sind somit die Tenipu.sverhältnisse des Semitischen bestimmt 10 durch die Bedeutung von qatala, genauer durch das im Verbalnomen qalal ausgedrückte Zeitmoment, so ist dieses in erster Linie zu er- forschen. Wenn wir zu diesem Zwecke die in einem Nomen agentis ausgedrückte Handlung in ein V'erbum finitum auflosen, so finden wir, dass das in ihm enthaltene Zeitmoment keineswegs überall das 15 gleiche ist. „Er ist Sieger" heisst „er hat gesiegt", ein „Befreier des Vaterlandes“ „hat das Vaterland befreit", „er ist der Mörder“ be- deutet „er hat den Mord begangen", ln allen diesen Fällen ist die Handlung ein für alle mal abgeschlossen, sie gehört der perfekti- schen Vergangenheit an. Anders verhält es sich mit Wörtern wie 20 „Wanderer, Streber, Sänger". Sie bezeichnen eine dauernde oder wiederholte Handlung, die gerade in der Gegenwart sich vollziehen, aber auch ein Stück Vergangenheit oder Zukunft mitumfassen kann.

Ja sogar ein und dasselbe Wort kann sich verschieden verhalten, je nach dem Zusammenhang, in welchem es erscheint. Der „Hausan- 25 Zünder" hat ein Haus angezündet, ein „Laternenanzünder" zündet überhaupt Laternen an. Der „Schreiber eines Briefes“ hat den Brief geschrieben (/pot/’oc), der „Schreiber eines Rechtsanwaltes“ wird auch weiterhin für denselben schreiben {scriha, „Skribent“). Wenn wir nach dem inneren Grunde dieser zunächst auffallenden Erscheinung 30 suchen, so kann er nur in der konkreten Bedeutung des Verbums selbsit liegen, näherhin in dem, was die vergleichende indogermani- sche Grammatik die Aktionsart' nennt. Bei einem Verbum mit punktueller Aktionsart ist das Nomen agentis perfektisch, bei durativer, iterativer oder überhaupt nichtpunktueller Aktionsart 35 ist es nicht perfektisch, sondern entspricht ungefähr der Zeit- .sphäre eines Participium praesentis. „Wanderer“ verhält sich zu

1) Man vergleiche darüber Drucmann, Kurze l’erg/eUhende Grammatik der in- do}>ermanischen Sprachen,, S. 403. H. DelUrCck, Vergleichende Syntax der indog. St'rachen, II, 8 ff. W. Streitbero, Über perfektive und imperfektive Aktionsart im 40 Germanischen. (In den Beitr. zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, her- au«;g. von H. Paul und \V, Hkaune. XV, 7off.) A. Leskien, Grammatik der altbulga- rischen Sprache. (Heidelberg 1909). S. 2i5ff.

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I

S)i( Stmpora im jitmi(irc$<n.

„Täter" nicht etwa wie „wandernd" zu „tuend", sondern wie „wan- dernd“ zu „getan habend“ (jrpoja?). So mag auch das Nomen ya/<r/ je nach der Aktionsart des jeweiligen Verbums die Zeitsphäre eines Particips der Gegenwart oder eines Particips der Vergangen- 5 heit bezeichnet haben. Dass aber in einer Verbal form zwei so entgegengesetzte Bedeutungen sich lange nebeneinander halten können, erscheint von vornherein als unwahrscheinlich. Es wird vielmehr vermutlich ein Ausgleich nach der einen oder anderen Seite hin stattfinden, es wird entweder die perfektische oder heissen wir IO sie kurz die präsentische Bedeutung die herrschende werden.

Vergleichen wir mit diesen deduktiven Erwägungen die wirk- lichen Verhältnisse in den semitischen Sprachen', .so finden w'ir tatsächlich im Westsemitischen qatala in der Bedeutung eines Per- fekts, im Ostsemitischen (assyr. ikaiad) in der eines Präsens, daher IS auch die Form jaqtul dort in die präsentische, hier (Jkiuif) in die perfektische Sphäre gedrängt. Die Frage der semitischen Tempora scheint somit in höchst einfacher Weise gelöst. Indes verbieten gewisse entgegenstehende Tatsachen ein so summarisches Verfahren. Wie die Entwickelung der Geschichte überhaupt,